Dieser Artikel beschreibt Behandlungsstrategien für Erwachsene mit Kopfschmerz vom Spannungstyp, umgangssprachlich Spannungskopfschmerz. Er trennt die Behandlung einer einzelnen Schmerzepisode von der Vorbeugung bei häufigen Beschwerden. Er enthält keine Dosierungen, Einnahmepläne oder persönliche Therapieempfehlungen. Grundlagen zu Beschwerden und Einordnung findest Du im Artikel Spannungskopfschmerzen.
Episodisch oder chronisch: Warum die Häufigkeit wichtig ist
Fachleute unterscheiden seltene und häufige episodische Verläufe sowie einen chronischen Verlauf. Von häufig episodischem Kopfschmerz vom Spannungstyp sprechen sie bei durchschnittlich 1 bis 14 Kopfschmerztagen pro Monat über mehr als drei Monate. Ein chronischer Verlauf liegt bei durchschnittlich mindestens 15 Kopfschmerztagen pro Monat über mehr als drei Monate vor. Für beide Einordnungen gehören weitere Kriterien dazu; die Zahl der Tage allein ist keine Selbstdiagnose.
Ein Kopfschmerztagebuch kann Kopfschmerztage, Beschwerden und Tage mit Akutmedikation sichtbar machen. Das hilft bei der medizinischen Abklärung und dabei, einen Medikamentenübergebrauch zu erkennen. Es ersetzt keine Diagnose.
Hinweis: Bei seltenen einzelnen Schmerzepisoden steht meist die Akutbehandlung im Vordergrund. Eine Vorbeugung wird vor allem bei chronischem und manchmal auch bei häufig episodischem Kopfschmerz vom Spannungstyp ärztlich geprüft.
Akutbehandlung einer einzelnen Schmerzepisode
Akutbehandlung soll eine aktuelle Schmerzepisode lindern. Die Leitlinie nennt dafür einfache Schmerzmittel und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), also entzündungshemmende Schmerzmittel. Für Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen ist die Wirkung bei Kopfschmerz vom Spannungstyp am besten untersucht. Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt jedoch unter anderem von anderen Erkrankungen und weiteren Medikamenten ab.
- Paracetamol: ein einfaches Schmerzmittel, das in der Leitlinie für einzelne Schmerzepisoden genannt wird.
- Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen: Beide gehören zu den NSAR und werden in der Leitlinie für einzelne Schmerzepisoden genannt.
- Weitere NSAR: Die Leitlinie nennt auch andere entzündungshemmende Schmerzmittel. Die Auswahl ist keine Frage einer allgemeinen Rangliste, sondern der persönlichen medizinischen Situation.
- Kombinationspräparate mit Koffein: Sie können in Studien wirksamer als einzelne Schmerzmittel sein, verursachten aber auch mehr Nebenwirkungen. Sie sind deshalb nicht die allgemeine erste Wahl.
- Pfefferminzöl: Die Leitlinie nennt es als äußerlich anzuwendende Option. Daraus folgt nicht, dass es für jede Person oder jede Schmerzepisode passend ist.
- Opioide: Sie werden bei Kopfschmerz vom Spannungstyp nicht empfohlen. Sie können unter anderem das Risiko für Abhängigkeit, Chronifizierung und Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch erhöhen.
Akutmedikamente nicht zur Routine werden lassen
Bei häufigem Gebrauch von Schmerzmitteln kann ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entstehen. Die ICHD-3 beschreibt Übergebrauch ab 15 Tagen pro Monat bei nicht-opioiden Schmerzmitteln wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol und ab 10 Tagen bei Kombinationspräparaten, jeweils über mehr als drei Monate. Zur Diagnose gehören außerdem mindestens 15 Kopfschmerztage pro Monat und weitere ärztliche Kriterien. Das sind keine sicheren Ausschöpfungsgrenzen, keine Dosierungsangaben und kein Selbsttest; auch wechselnde Mittel oder Wirkstoffklassen können zusammen Übergebrauch bilden.
Besprich häufigen oder steigenden Bedarf und unzureichende Wirkung frühzeitig mit Deiner Praxis, nicht erst nach drei Monaten. Plane Änderungen oder Absetzen gemeinsam. Sofortmaßnahmen aus der Gebrauchsinformation bei schweren Nebenwirkungen bleiben davon ausgenommen.
Vorbeugung bei häufigem oder chronischem Verlauf
Eine vorbeugende Behandlung soll Kopfschmerztage und die Belastung im Alltag verringern. Sie wird bei chronischem Kopfschmerz vom Spannungstyp und manchmal auch bei einem häufig episodischen Verlauf ärztlich geprüft. Dabei zählen nicht nur die Anzahl der Tage, sondern auch Beeinträchtigung, bisherige Behandlung, Begleiterkrankungen und ein möglicher Medikamentenübergebrauch.
Nichtmedikamentöse Strategien
Nichtmedikamentöse Maßnahmen sind ein zentraler Teil der Vorbeugung. Sie bedeuten nicht, dass die Beschwerden „nur psychisch“ sind oder durch eine einzelne Haltung, Verspannung oder einen einzelnen Auslöser erklärt werden können.
- Regelmäßiges Ausdauer- und/oder Krafttraining: wird in der Leitlinie als begleitende Vorbeugung empfohlen.
- Physiotherapeutische Verfahren: Dazu gehören je nach Befund Übungstherapie, Weichteiltechniken, manuelle Therapie oder Kombinationen. Sie können die Vorbeugung ergänzen.
- Psychologische Verfahren: Entspannungsverfahren, Biofeedback, achtsamkeitsbasierte Verfahren sowie kognitive Verhaltenstherapie oder Stressbewältigung sind weitere leitliniengestützte Möglichkeiten.
- Schlaf und Flüssigkeit: Ein verlässlicher Schlafrhythmus und ausreichende Flüssigkeitszufuhr gehören zu den allgemeinen Maßnahmen. Die Evidenz dafür, dass sie allein Kopfschmerz vom Spannungstyp verhindern, ist jedoch gering.
- Akupunktur: Die Studienlage ist uneinheitlich. Sie kann ärztlich oder therapeutisch besprochen werden, ist aber nicht gleichrangig mit den empfohlenen Verfahren.
Häufig werden mehrere nichtmedikamentöse Maßnahmen kombiniert. Welche Kombination alltagstauglich ist, gehört in die gemeinsame Planung mit behandelnden Fachpersonen.
Medikamentöse Vorbeugung
Bei chronischem Kopfschmerz vom Spannungstyp ist Amitriptylin laut Leitlinie die medikamentöse Behandlung erster Wahl. Es wird ärztlich verordnet und seine Eignung hängt unter anderem von Begleiterkrankungen, anderen Medikamenten und möglichen Nebenwirkungen ab. Nichtmedikamentöse und medikamentöse Maßnahmen können verbunden werden.
Hinweis: Medikamente zur Vorbeugung sind keine allgemeine Lösung für gelegentliche Kopfschmerzen. Auswahl, Beginn, Änderung oder Absetzen gehören in die medizinische Begleitung.
Wann eine Abklärung wichtig ist
Wiederkehrende, neue oder deutlich veränderte Kopfschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden. Das gilt besonders bei kurzer Krankheitsgeschichte, neurologischen Auffälligkeiten, einem ungewöhnlichen Beschwerdebild, erstmaligem Auftreten nach dem 50. Lebensjahr oder sehr häufigen Kopfschmerzen.
Ein dumpf-drückender Schmerz allein beweist nicht, dass es sich um Kopfschmerz vom Spannungstyp handelt. Bei plötzlich neuartigen oder rasch maximal starken Kopfschmerzen, neurologischen Ausfällen, Bewusstseinsstörungen oder Fieber ist eine dringliche medizinische Abklärung notwendig.
Quellen
Redaktioneller Quellenabgleich: 10.10.2026. Allgemeine Information, keine individuelle Behandlungsempfehlung oder behauptete fachärztliche Freigabe.
- DGN/DMKG: Diagnostik und Therapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp, S1-Leitlinie, Version 6.0, 2024
- International Headache Society: ICHD-3 – Frequent episodic tension-type headache
- International Headache Society: ICHD-3 – Chronic tension-type headache
- International Headache Society: ICHD-3 – Medication-overuse headache