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Migräne mit Aura oder Schlaganfall? Warnzeichen kennen und richtig handeln

Erstveröffentlicht: Kopfweh Österreich MigräneAuraWarnzeichen

Kurz erklärt

  • Neue oder deutlich veränderte neurologische Ausfälle dürfen nicht automatisch einer bekannten Migräne zugeschrieben werden. Bei Schlaganfallverdacht rufe sofort 144 – auch wenn die Beschwerden wieder verschwinden.
  • Eine Aura entwickelt sich oft allmählich, ein Schlaganfall häufig plötzlich. Diese Muster erlauben aber keine sichere Unterscheidung zu Hause.
  • Migräne mit Aura ist mit einem erhöhten Risiko für einen ischämischen Schlaganfall verbunden. Das persönliche Risiko hängt auch von weiteren Faktoren ab; ein erhöhtes relatives Risiko bedeutet nicht, dass ein Schlaganfall wahrscheinlich ist.

Flimmernde Lichter, Sehstörungen, Kribbeln oder Schwierigkeiten beim Sprechen: Solche Beschwerden können bei einer Migräne-Aura auftreten, aber auch Zeichen eines Schlaganfalls sein. Zum Weltschlaganfalltag am 29. Oktober erklären wir, was eine Aura kennzeichnet, wo die Grenzen der Unterscheidung liegen und wann Du sofort Hilfe brauchst.

Bei diesen Warnzeichen sofort 144

Warte bei Schlaganfallverdacht nicht ab, ob die Beschwerden von allein verschwinden oder Kopfschmerzen hinzukommen. Das gilt auch, wenn Du bereits eine Migräne mit Aura hast.

Rufe sofort die Rettung unter 144, insbesondere bei:

  • erstmals auftretenden neurologischen Ausfällen, die noch nicht als Deine typische Migräne-Aura ärztlich abgeklärt wurden;
  • plötzlich einsetzender einseitiger Schwäche oder Lähmung im Gesicht, Arm oder Bein;
  • neuen Sprach- oder Verständnisstörungen;
  • plötzlichem Sehverlust auf einem Auge oder einer ungewohnten starken Sehstörung;
  • plötzlich starkem Schwindel zusammen mit Gangunsicherheit oder Koordinationsstörungen;
  • neurologischen Beschwerden, die deutlich anders als Deine bisherigen Auren verlaufen, bestehen bleiben oder sich nicht wie gewohnt zurückbilden;
  • einem schlagartig einsetzenden extrem starken Kopfschmerz.

Die übliche Auradauer von fünf bis 60 Minuten ist keine Wartefrist. Neue oder anhaltende Ausfälle müssen sofort beurteilt werden, nicht erst nach Ablauf einer Stunde. Auch ein einzelnes Aurasymptom über 60 Minuten braucht umgehende medizinische Abklärung.

Neue neurologische Symptome im höheren Lebensalter, während der Schwangerschaft oder im Wochenbett dürfen ebenfalls nicht ohne Untersuchung als Aura eingeordnet werden.

Fahre bei Schlaganfallverdacht nicht selbst ins Krankenhaus. Notiere möglichst den Zeitpunkt, zu dem die Beschwerden begonnen haben. Wenn der Beginn unbekannt ist, etwa nach dem Aufwachen, ist wichtig, wann die betroffene Person zuletzt ohne diese Symptome war. Das darf den Notruf nicht verzögern.

Auch vorübergehende Symptome sind ein Notfall

Eine transitorische ischämische Attacke (TIA) verursacht vorübergehende neurologische Ausfälle durch eine umschriebene Durchblutungsstörung, ohne dass ein akuter Infarkt vorliegt. Die Beschwerden können sich schon nach wenigen Minuten vollständig zurückbilden. Das ist keine Entwarnung: Eine TIA kann einem Schlaganfall vorausgehen und muss als Notfall behandelt werden.

Ob eine TIA oder ein Schlaganfall vorliegt, lässt sich nicht allein an der Dauer erkennen; dafür sind ärztliche Untersuchung und gegebenenfalls Bildgebung nötig. Rufe bei schlaganfallverdächtigen Beschwerden auch dann 144, wenn sie bereits wieder verschwunden sind.

Was passiert bei einer Migräne-Aura?

Ein Teil der Menschen mit Migräne erlebt eine Aura. Dabei treten vorübergehende neurologische Symptome auf, meist vor dem Kopfschmerz, manchmal währenddessen oder auch ohne nachfolgende Kopfschmerzen.

Besonders häufig sind visuelle Symptome, zum Beispiel Flimmern, Lichtblitze, gezackte Linien oder blinde Flecken im Gesichtsfeld. Daneben können andere Aurasymptome auftreten:

  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle, etwa in einer Hand oder im Gesicht;
  • Wortfindungsstörungen oder andere Sprachstörungen.

Typischerweise entwickeln sich die Beschwerden allmählich über mehrere Minuten. Ein Flimmern kann klein beginnen und sich über das Gesichtsfeld ausbreiten. Verschiedene Symptome können nacheinander auftreten.

Nach der internationalen Kopfschmerzklassifikation ICHD-3 dauert ein einzelnes nichtmotorisches Aurasymptom typischerweise fünf bis 60 Minuten und bildet sich vollständig zurück. Bei mehreren aufeinanderfolgenden Symptomen kann die gesamte Auraphase länger dauern. Für motorische Symptome, also Muskelschwäche bei einer hemiplegischen Migräne, gelten andere Zeitkriterien. Eine neue Lähmung darf deshalb aber keinesfalls selbst als Migräne eingeordnet werden.

Eine Aura ist nicht mit einem Schlaganfall gleichzusetzen. Die Diagnose setzt voraus, dass andere Ursachen der Symptome ausgeschlossen wurden. Mehr zu den Grundlagen findest Du unter Migräne erkennen: Symptome und Diagnose.

Warum sich Aura und Schlaganfall nicht sicher selbst unterscheiden lassen

Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns durch einen Gefäßverschluss oder eine Blutung geschädigt. Dabei können ähnliche Beschwerden wie bei einer Aura auftreten.

Für eine Migräne-Aura ist häufig typisch:

  • Die Symptome entwickeln sich schrittweise über mehrere Minuten.
  • Zusätzliche Wahrnehmungen wie Flimmern, Lichtblitze oder Kribbeln treten auf.
  • Verschiedene Symptome folgen aufeinander.
  • Die Beschwerden bilden sich vollständig zurück.

Bei einem Schlaganfall oder einer TIA ist häufig typisch:

  • Die Symptome beginnen plötzlich.
  • Funktionsausfälle stehen im Vordergrund, etwa eine Lähmung, ein Sehverlust oder eine Sprachstörung.
  • Mehrere Beschwerden setzen gleichzeitig ein.

Das sind typische Muster, keine verlässlichen Diagnosekriterien für zu Hause. Auch Schlaganfälle können schrittweise beginnen oder zusätzliche Wahrnehmungen verursachen. Umgekehrt können Auren ungewöhnlich verlaufen. Auch die Rückbildung der Beschwerden schließt einen Schlaganfall oder eine TIA nicht aus.

Schlaganfall erkennen: der FAST-Test

Der FAST-Test hilft, häufige Schlaganfallzeichen rasch zu erkennen:

  • F – Face (Gesicht): Bitte die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
  • A – Arms (Arme): Bitte sie, beide Arme gleichzeitig anzuheben und zu halten. Sinkt ein Arm ab oder lässt er sich nicht heben?
  • S – Speech (Sprache): Bitte sie, einen einfachen Satz nachzusprechen. Ist die Sprache plötzlich verwaschen, unverständlich oder nicht möglich?
  • T – Time (Zeit): Schon bei einem solchen Zeichen sofort die Rettung 144 verständigen.

Ein unauffälliger FAST-Test schließt einen Schlaganfall nicht aus. Auch plötzliche Sehstörungen oder Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen können Warnzeichen sein. Versuche nicht, vor dem Notruf erst alle Tests abzuarbeiten.

Erhöht Migräne das Schlaganfallrisiko?

Insbesondere Migräne mit Aura ist mit einem erhöhten Risiko für einen ischämischen Schlaganfall verbunden, also einen Schlaganfall durch eine Durchblutungsstörung. Studien zeigen im Mittel ungefähr eine Verdopplung des relativen Risikos. Der Zusammenhang ist besonders bei jüngeren Frauen beschrieben, aber nicht auf sie beschränkt.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen relativem und absolutem Risiko: Wenn ein niedriges Ausgangsrisiko steigt, bleibt die absolute Wahrscheinlichkeit bei vielen jungen, ansonsten gesunden Menschen trotzdem gering. Solche Studienwerte erlauben keine Berechnung Deines persönlichen Risikos. Eine Migräne mit Aura bedeutet nicht, dass Du zwangsläufig einen Schlaganfall bekommen wirst.

Besprich zusätzliche Risikofaktoren mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Dazu gehören insbesondere:

  • Rauchen;
  • Bluthochdruck;
  • Diabetes mellitus;
  • erhöhte Blutfettwerte;
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Vorhofflimmern.

Nicht zu rauchen und behandelbare Gefäßrisiken gut einstellen zu lassen, sind wichtige Schritte zur Vorbeugung.

Hormonelle Verhütung bei Migräne mit Aura

Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel mit Östrogen und Gestagen können das Schlaganfallrisiko zusätzlich erhöhen. Dazu zählen die kombinierte Pille sowie entsprechende Verhütungspflaster und Vaginalringe. Nicht jede „Pille“ enthält Östrogen.

Bei Migräne mit Aura werden kombinierte östrogenhaltige Methoden wegen des Gefäßrisikos nicht empfohlen. Als Alternativen kommen je nach persönlicher Situation reine Gestagenmethoden oder nicht hormonelle Methoden infrage.

Wenn Du Migräne mit Aura hast und kombiniert hormonell verhütest oder unter einer solchen Methode erstmals eine Aura bemerkst, besprich das zeitnah mit Deiner gynäkologischen beziehungsweise behandelnden Praxis. Lass eine geeignete, zuverlässig wirksame Alternative und den Wechselplan vereinbaren, statt eigenständig eine Verhütungslücke entstehen zu lassen. Bei neuen akuten neurologischen Ausfällen gilt zuerst der Notruf 144.

Kann während einer Migräne-Aura ein Hirninfarkt auftreten?

Ein migränöser Infarkt ist eine seltene Komplikation. Die ICHD-3 verlangt dafür unter anderem eine bereits bekannte Migräne mit Aura, eine Attacke wie bisher bis auf mindestens ein länger als 60 Minuten anhaltendes Aurasymptom und einen zur Symptomatik passenden, in der Bildgebung nachgewiesenen ischämischen Infarkt. Andere Ursachen müssen ausgeschlossen werden.

Nicht jeder Schlaganfall bei einem Menschen mit Migräne ist deshalb ein migränöser Infarkt. Auch eine länger dauernde Aura allein beweist keinen Infarkt. Eine gewöhnliche Aura ist nicht gleichbedeutend mit einem Hirninfarkt; ungewöhnlich lange oder anhaltende Ausfälle müssen aber untersucht werden.

Was Du für Deinen Alltag mitnehmen kannst

Eine bekannte, wiederkehrende und ärztlich abgeklärte Aura, die genau Deinem üblichen Muster entspricht, ist in der Regel kein Notfall. Vereinbare mit Deiner behandelnden Praxis, wie Du bei Deinen üblichen Attacken vorgehst und welche Veränderungen sofort abgeklärt werden müssen.

Für Angehörige gilt: Nimm neue Symptome ernst und hilf beim Notruf. Eine bekannte Migräne darf nicht dazu führen, schlaganfallverdächtige Beschwerden zu übersehen.

Im Zweifel bei Schlaganfallverdacht: 144. Jede Minute zählt. Ein Selbsthilfeangebot und die weitere Lektüre ersetzen keine Notfallversorgung.

Dieser Beitrag bietet allgemeine Gesundheitsinformation und ersetzt keine individuelle ärztliche Diagnose oder Behandlung.

Quellen und weiterführende Informationen

Quellenstand: 29. Oktober 2026.