Eine gute Migränebehandlung verfolgt zwei Ziele: Die einzelne Attacke möglichst wirksam zu behandeln und zukünftige Attacken seltener oder weniger belastend zu machen. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt unter anderem von Häufigkeit und Schwere der Beschwerden, Begleiterkrankungen, Lebenssituation und bisherigen Erfahrungen ab. Ein individueller Behandlungsplan sollte deshalb gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt entstehen.
Akuttherapie bei einer Attacke
Die Akuttherapie soll Schmerzen und Begleitsymptome einer aktuellen Migräneattacke lindern. Die deutsche S1-Leitlinie nennt dafür unter anderem nichtsteroidale Antirheumatika, Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Triptane und bei Übelkeit Antiemetika. Ob ein Mittel geeignet ist und wie es angewendet wird, muss individuell ärztlich oder in der Apotheke geklärt werden. Dosierung, Kombination und mögliche Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Präparat und persönlicher Situation.
Vielen Betroffenen helfen zusätzlich reizabschirmende Maßnahmen: Ruhe in einem abgedunkelten Raum, ausreichend Flüssigkeit, Schlaf oder eine kühle Auflage können die Attacke erträglicher machen. Solche Maßnahmen ersetzen keine medizinische Abklärung bei neuen, ungewöhnlichen oder besonders starken Beschwerden.
Akutmedikamente bewusst einsetzen
Akutmedikamente können sehr hilfreich sein, bei zu häufiger Einnahme kann jedoch ein medikamentenübergebrauchsbedingter Kopfschmerz entstehen. Die Schwellen für einen Übergebrauch unterscheiden sich je nach Medikamentenklasse. Wer regelmäßig oder zunehmend häufig Akutmedikamente benötigt, sollte die Einnahme nicht eigenständig umstellen oder absetzen, sondern sie mit der behandelnden Praxis oder einer Apotheke besprechen.
Ein Kopfschmerztagebuch hilft dabei, Attacken und Medikamententage festzuhalten. Es schafft eine gute Grundlage, um gemeinsam zu entscheiden, ob die Akuttherapie angepasst oder eine vorbeugende Behandlung erwogen werden sollte.
Vorbeugung: Attacken langfristig verringern
Eine Prophylaxe soll Häufigkeit, Stärke und Dauer von Migräneattacken reduzieren und die Teilhabe im Alltag verbessern. Sie kann medikamentöse und nichtmedikamentöse Bestandteile verbinden. Welche vorbeugende Behandlung passt, wird nach der persönlichen Belastung, den bisherigen Maßnahmen und möglichen Begleiterkrankungen entschieden.
Nichtmedikamentöse Ansätze, die die S1-Leitlinie nennt, sind regelmäßiges Ausdauertraining, Entspannungsverfahren und kognitive Verhaltenstherapie. Ein möglichst verlässlicher Tagesrhythmus mit ausreichend Schlaf, regelmäßigen Mahlzeiten und Pausen kann ebenfalls unterstützen. Es geht nicht darum, jeden möglichen Auslöser zu vermeiden, sondern die eigenen Muster zu verstehen und eine alltagstaugliche Routine zu finden.
Für eine medikamentöse Prophylaxe stehen verschiedene Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Ärzt:innen wägen dabei Nutzen, mögliche Nebenwirkungen, andere Erkrankungen und persönliche Wünsche ab. Der Erfolg wird typischerweise über mehrere Wochen und anhand eines Kopfschmerztagebuchs beurteilt.
Wenn die Behandlung nicht ausreicht
Sprechen Sie eine Behandlung zeitnah an, wenn Attacken häufiger werden, Sie zunehmend Akutmedikamente benötigen oder Migräne Arbeit, Ausbildung, Familie oder Freizeit stark einschränkt. Auch Nebenwirkungen oder ein unzureichender Effekt sind wichtige Gründe für ein Gespräch. Die Behandlung muss nicht bei der ersten Wahl stehen bleiben: Eine Anpassung durch die behandelnde Praxis oder eine spezialisierte neurologische Ambulanz kann sinnvoll sein.
Bei plötzlich neuartigen oder deutlich veränderten Kopfschmerzen, neurologischen Ausfällen, Bewusstseinsstörungen oder Fieber ist eine dringliche medizinische Abklärung notwendig.