Physiotherapie als Ergänzung der Migränebehandlung
Am 20. April 2026 durften wir bei unserem Infoabend in Graz Bernhard Taxer MSc, PhD begrüßen. Als Physiotherapeut mit Schwerpunkt auf Kopf- und Gesichtsschmerzen sowie chronischen Schmerzsyndromen gab er den Teilnehmer:innen einen spannenden, evidenzbasierten und vor allem praxisnahen Einblick in die Möglichkeiten der Physiotherapie bei Migräne.
Unter dem Titel „Physiotherapie bei Migräne – Was macht Sinn? Was macht weniger Sinn?“ stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Welchen Stellenwert kann Physiotherapie in der Behandlung von Migräne tatsächlich einnehmen – und wo liegen ihre Grenzen?

Wann kann Physiotherapie sinnvoll sein?
Deutlich wurde an diesem Abend: Physiotherapie kann bei Menschen mit Migräne eine sinnvolle Ergänzung der Behandlung darstellen – insbesondere dann, wenn zusätzlich Beschwerden im Bereich von Nacken, Schulter oder Kiefer bestehen.
Entscheidend ist jedoch eine individuelle Betrachtung. Nicht jede Begleiterscheinung muss automatisch physiotherapeutisch behandelt werden. Vielmehr geht es darum herauszufinden, welche Beschwerden tatsächlich relevant sind und welche Maßnahmen für die jeweilige Person sinnvoll sein können.
Evidenz statt pauschaler Versprechen
Bernhard Taxer legte besonderen Wert auf eine evidenzbasierte Herangehensweise. Nicht jede Behandlung, die bei Kopfschmerzen angeboten wird, ist automatisch sinnvoll oder wissenschaftlich ausreichend belegt.
Gerade deshalb ist es wichtig, zwischen Maßnahmen mit einem nachvollziehbaren therapeutischen Nutzen und Methoden zu unterscheiden, für die bislang nur wenig wissenschaftliche Evidenz vorliegt.

Praktische Einblicke und persönlicher Austausch
Neben den theoretischen Grundlagen bekamen die Teilnehmer:innen auch praktische Einblicke und hatten ausreichend Gelegenheit, persönliche Fragen zu stellen.
Dabei ging es unter anderem um Fragen wie:
- Welche Übungen können hilfreich sein?
- Wann kann Physiotherapie bei Migräne unterstützen?
- Welche Rolle spielen Beschwerden im Nacken-, Schulter- oder Kieferbereich?
- Und wann sollten andere Behandlungsmöglichkeiten im Vordergrund stehen?

Individuell und interdisziplinär behandeln
Für uns war der Abend auch eine wichtige Erinnerung daran, dass die Behandlung von Migräne möglichst individuell und interdisziplinär erfolgen sollte.
Physiotherapie kann – richtig und gezielt eingesetzt – einen wertvollen Baustein darstellen. Sie ersetzt jedoch nicht die neurologische Diagnostik und auch nicht medikamentöse beziehungsweise andere spezifische Migränetherapien.
Wir bedanken uns herzlich bei Bernhard Taxer MSc, PhD für den informativen Abend, die verständliche Vermittlung der Inhalte und die vielen praktischen Impulse.
Ein besonderer Dank gilt außerdem allen Betroffenen und Angehörigen, die dabei waren und mit ihren Fragen und Erfahrungen zu einem gelungenen Abend beigetragen haben.